Moderne Arbeitstrends

New Work - Licht und Schatten

19. September 2024 Arbeitsschutz, Führung, Führungskultur
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Quelle: Rido_Dollarphotoclub

Die moderne Arbeitswelt lockt mit Verheißungen: Alles ist flexibel, agil, frei, bunt. Gesetze und Vorschriften sind eher Ballast. Individuelle Anliegen werden kollektiv nur behindert. Stimmt das? Wem kommt die New-Work-Debatte gelegen? Professor Peter Wedde erläutert in »Gute Arbeit« 8-9/2024 die Trends, klärt Mitbestimmungstatbestände und räumt mit falschen Vorstellungen auf.

Nein, es geht nicht um Arbeitgeberideen, Managementkonzepte oder Entwürfe anderer Strategen: Der Sozialphilosoph Friethjof Bergmann hat »New Work« als neue Arbeitsform in den 1980er Jahren entwickelt – als Gegenmodell zur kapitalistischen Arbeit. Aktuell wird mit dem Modebegriff eifrig deregulierte Arbeit propagiert – unter den Vorzeichen individuell selbstbestimmter, flexibler Leistungserbringung. Wohin die Reise geht, wird sich in einigen Jahren zeigen; es bleibt die Debatte um Gute Arbeit und um Regelungen zugunsten der Beschäftigten.

Transformation und Digitalisierung

New Work steht aktuell für eine grundlegende Veränderung und Transformation der Arbeitswelt. Dabei verstand Friethjof Bergmann die von ihm vorgeschlagene neue Form der Arbeit als Modell für mehr Selbstständigkeit, Zufriedenheit, Motivation, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft für die Beschäftigten. Ihnen sollte es möglich sein, nur die Arbeit zu leisten, die Sie auch wirklich erbringen wollen.

Von dieser Zielsetzung Bergmanns sind aktuelle Arbeitsformen weit entfernt, die unter dem Label New Work propagiert werden. Sie stehen eher für unterschiedliche Formen der Arbeit, die durch eine intensive Nutzung verschiedener digitaler Arbeitsmittel und ein hohes Maß an räumlicher und zeitlicher Flexibilität der Beschäftigten gekennzeichnet sind.

New Work: Ursprung und aktuelle Ausformungen

New Work schließt dabei neue Arbeitsmethoden wie »Agiles Arbeiten« ein, aber auch räumliche Konzepte wie das »Desk Sharing« oder »Open Office« sowie die Möglichkeit, einen Teil der Arbeit von selbst gewählten Arbeitsplätzen mobil außerhalb des Betriebs zu erbringen, insbesondere im Homeoffice.

Zu New Work soll auch eine »neue Innovationskultur« und eine »neue Fehlerkultur« gehören. Weiterhin wird auf »flache Hierarchien«, »Teamarbeit« und »umfassende Vernetzung« gesetzt. Auf der persönlichen Ebene wird eine verbesserte Work-Life-Balance versprochen.

Alles flexibel und gut?

Insbesondere die mit New Work einhergehende zeitliche und räumliche Flexibilität macht diese Arbeitsform für viele Beschäftigte auf den ersten Blick attraktiv, etwa weil es möglich sein soll, individuelle private Bedürfnisse optimal mit beruflichen Anforderungen zu koordinieren. Immer wieder genannt: Die verbesserte Koordination von Beruf und Erziehungsaufgaben. Gesetzliche Vorgaben, wie insbesondere solche aus dem Bereich des Arbeitszeit- und Arbeitsschutzrechts, werden dabei oftmals als Behinderung empfunden, weil sie die individuelle Gestaltungsfreiheit einschränkten.

Bei aller Begeisterung für die vielfältigen neuen Möglichkeiten von New Work bleibt offen, ob die praktizierten Arbeitsformen wirklich von allen betroffenen Beschäftigten gewollt sind. In der Praxis stößt beispielsweise die Begeisterung für das Homeoffice spätestens an Grenzen, wenn Beschäftigte in beengten häuslichen Wohnverhältnissen über keinen akustischen und optisch abgeschotteten Arbeitsplatz verfügen und deshalb nicht in Ruhe arbeiten können.

Arbeitsrecht bleibt oft auf der Strecke

Ergonomische und in der Folge gesundheitliche Probleme können auch aus modernen Raumkonzepten folgen, die oft Bestandteil von New Work sind: Die Arbeit in schicken offenen Bürolandschaften beinhaltet neben zahlreichen Ablenkungsfaktoren zumeist auch einen erhöhten Geräuschpegel.

Für konzentrierte und ungestörte Arbeit stehen dort zwar öfter abgeschottete »Denkzellen« bereit. Diese müssen aber meist zuvor gebucht werden, was der Flexibilität neue Grenzen setzt. Als Alternative verwenden Beschäftigte oftmals Kopfhörer, die Raumgeräusche mit elektronischen Maßnahmen dämpfen, was allerdings mit Blick auf die zweifelhaften ergonomischen Qualitäten einzelner Modelle keine Dauerlösung sein kann. (…)

Weitere Informationen

Neugierig auf den vollständigen Beitrag von Professor Peter Wedde? Diesen und weitere Fachbeiträge lesen in »Gute Arbeit« 8-9/2024, Titelthema »Moderne Arbeitswelten – New Work muss gute Arbeit sein«. Darin unter anderem:

  • Prof. Dr. P. Wedde: New Work – Licht und Schatten (S. 8-12).
  • Dr. Rolf Schmucker: Mehr Selbstbestimmung mit »New Work«? (S. 13-16).
  • Mattias Ruchhöft: Technikfolgenabschätzung: Mitbestimmte IT-Einführung  (S. 21-24)
  • Karl-Heinz Brandl: Stress durch Angst vor Überwachung (S. 25-28).
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