Gesundheitsschutz

Tatort Arbeitsplatz: Gewalt, Folgen und wirksame Prävention

23. Juni 2025
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Quelle: © VRD / Foto Dollar Club

»Patient versorgt, Arzt verprügelt« – solche Schlagzeilen tauchen seit Jahren auf. Immer wieder erleben Beschäftigte Gewalt am Arbeitsplatz oder sie werden Zeuge von körperlichen und psychischen Übergriffen. Die Folgen für Betroffene, Betriebe und Einrichtungen können gravierend sein. In Gute Arbeit« 6-7/2025 werden Präventionsansätze vorgestellt.

Von rund 60 Arbeitsunfällen hierzulande ist einer die Folge von Gewalt, die Dunkelziffer liegt vermutlich höher. Psychische Übergriffe ohne »sichtbare« körperliche Folgen werden seltener gemeldet, die gesundheitlichen Auswirkungen können aber gravierend sein. Die Betroffenen benötigen unmittelbar Hilfe und Unterstützung. Am besten werden Übergriffe mit Maßnahmen von vornherein vermieden oder erschwert. Zur Ermittlung geeigneter, wirksamer Präventionsmaßnahmen hat sich die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz bewährt.

Gewalt verändert das Arbeitsklima

Durch Gewaltereignisse oder psychische Angriffe wie Mobbing und verbale Belästigung werden das Arbeitsklima, das Sicherheitsgefühl, die Motivation und die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigt. Bei dramatischen Folgen für Körper und Psyche der Betroffenen beginnt für sie oft ein Leidensweg mit unterschiedlichen Beschwerden, (längerer) Arbeitsunfähigkeit – bis hin zur Berufsunfähigkeit. Um dies zu vermeiden, sind präventive Lösungen nötig, die darauf abzielen, dass Gewaltvorfälle nicht eskalieren oder gar nicht erst auftreten.

Was ist Gewalt?

Laut Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (Übereinkommen Nr. 190 zur Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt) umfasst Gewalt bei der Arbeit verschiedene Dimensionen mit unterschiedlichen Ausprägungsstufen: Sie kann instrumentelle oder impulsive Entstehungsgründe haben (wie die Erbeutung von Geld oder erhöhte Emotionalität im Streit), physisch und psychisch ausgeübt werden, und schließt Gewaltandrohungen sowie geschlechtsspezifische Gewalt mit ein.
Es kann zudem zu einer Eskalation in höhere Ausprägungsstufen von Gewalt kommen: Zum Beispiel kann sich eine »normale« Meinungsverschiedenheit (Stufe 1) zu verbaler Aggression, Sachbeschädigung (beides Stufe 2), körperlicher Gewalt (Stufe 3) oder noch extremeren Ausprägungen (Stufe 4) entwickeln. Die Grenzen sind fließend. Das Ziel einer frühzeitigen Intervention und der Umsetzung geeigneter Präventionsmaßnahmen ist es, auch jeder Eskalation entgegenzuwirken.

Wer ist betroffen?

Ein Risiko für externe Gewalt besteht bei Arbeitstätigkeiten mit Kontakt zu Kundinnen und Kunden, Patientinnen und Patienten, Mitarbeitenden anderer/externer Firmen sowie allgemein bei Kontakt mit anderen Menschen (zum Beispiel auch Fremde auf der Straße). Betroffen sind unter anderem Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung, von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Zustelldiensten sowie in Erziehungs- und Ausbildungsstätten.

Was hilft bei der Prävention?

Für eine wirksame Gewaltprävention sind allen voran die Unternehmensleitung und Führungskräfte verantwortlich. Es müssen darüber hinaus alle Akteure des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, zum Beispiel auch Betriebsärztinnen und -ärzte, Sicherheitsfachkräfte und -beauftragte sowie die betriebliche Interessenvertretung beteiligt werden.

Eine Voraussetzung ist außerdem, dass für Gewalt(-risiken) am konkreten Arbeitsplatz sensibilisiert wird, dass offen über Gewaltvorfälle und deren Folgen gesprochen werden kann und vorausschauend gehandelt wird. Für ein systematisches Vorgehen empfiehlt es sich, mit allen Akteuren ein umfassendes, betriebsspezifisches Gewaltpräventionskonzept zu erarbeiten, das mehrere Schritte umfasst (…).

Weitere Informationen

Neugierig auf der Beitrag von A. Fahrenwaldt und C. Ernst (beide Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)? Mehr in »Gute Arbeit« 6-7/2025 (S. 28-32).

Außerdem im Titelthema lesen: »Arbeitsintensität: Stressprävention als Führungsaufgabe«:

  • S. Boltz et al: Analyse: Belastungen, Unfallrisiken und Stellschrauben der Prävention (S. 8-13).
  • C. Janßen: Arbeiten als »Ich-AG«: Psychische Belastung durch Selbststeuerung (S. 14-17).
  • C. Janßen: Was tun gegen psychische Belastung bei Selbststeuerung (S. 18-21).
  • K. Klasmeier et al.: Empowerment: Eine Chance für Beschäftigte? (S. 22-24)

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