2.2 Krankenstand: Trends und Ursachen der Arbeitsunfähigkeit

Der Krankenstand der Pflichtversicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat in der alten Bundesrepublik über viele Jahre zugenommen. Er lag 1960 bei 5,11%. 1970 wurden 5,60% verzeichnet, 1973 erreichte der Krankenstand einen Höhepunkt mit 5,86%. Seit den 1990er Jahren bis 2008 war er rückläufig. 2007 wurde mit 3,22% der niedrigste Stand seit Einführung der Statistik und der Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr 1970 überhaupt gemessen. Seit 2008 steigt der Krankenstand wieder moderat. 2016 lag er bei 4,25%. Für 2017 zeichnete sich, ausgehend von den Daten der ersten zwei Quartale mit 4,35%, ein Wert ungefähr auf dem Vorjahresniveau ab (Abb. 20). In diesem Anstieg spiegeln sich verschiedene Faktoren wider, neben einer »Normalisierung« historisch niedriger Krankenstände beispielsweise auch die Alterung der Erwerbsbevölkerung und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt.

Betrachtet man das Krankschreibungsgeschehen nach Altersgruppen, so zeigt sich, dass die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle) bei den Jüngeren vergleichsweise hoch ist, während hier die AU-Tage je Fall niedrig liegen. Mit zunehmendem Alter sinkt die Zahl der AU-Fälle zunächst deutlich bis zur Altersgruppe 30 bis 34 Jahre, danach steigt sie wieder leicht an, um erst bei den über 60-jährigen wieder abzufallen, hier hauptsächlich wohl durch den healthy-worker-Effekt (die kranken Beschäftigten sind schon aus dem Erwerbsleben ausgeschieden). Die Krankheitsdauer je Fall steigt aber in den Altersgruppen kontinuierlich an und erreicht ihren Gipfel mit durchschnittlich mehr als 22 Tagen jährlich bei den über 60-jährigen (Abb. 21).

Bei den Diagnosegruppen, die den Krankenstand verursachen, liegen die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems an erster Stelle. Danach folgen die psychischen Störungen sowie die Krankheiten des Atmungssystems, die Reihenfolge dieser beiden Krankheitsarten kann je nach Kassenart wechseln. Als einzige Krankheitsart weisen die psychischen Störungen eine kontinuierlich steigende Tendenz auf (siehe dazu Abschnitt 2.3).

Lothar Schröder, u.a.
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