Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2025
Betriebsrat der ZF Friedrichshafen AG, Friedrichshafen
► Projekt: Operation Schiff auf Kurs
"Die Sicherung von Arbeitsplätzen ist nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch eine soziale Verantwortung. Ziel voraus."
Betriebsrat der ZF Friedrichshafen AG, Friedrichshafen
Daten und Stichworte zum Projekt
| Projekt: | Operation Schiff auf Kurs |
| Bewerber/in: | Betriebsrat der ZF Friedrichshafen AG, Friedrichshafen |
| Beschäftigtenzahl: | mehr als 1000 |
| Branche: | Automotive |
| Gewerkschaften: | IGBCE |
Kurzpräsentation
Ein wesentlicher Punkt im Rahmen des bestehenden Tarifvertrags Transformation war die Erarbeitung eines Zielbildes mit einer Standortsicherung bis 2028. Die Gespräche mit dem Arbeitgeber dazu liefen schleppend, so dass der Betriebsrat das Thema nachdrücklich u.a. auf Betriebsversammlung platzierte und sukzessive den Druck mit verschiedenen öffentlichkeitswirksamen Aktionen ausweitete. Im Jahr 2024 einigten sich beide Seiten auf eine Beschäftigungssicherung mit dem Ausschluss Betriebsbedingte Kündigungen bis 30. Juni 2028 und Investitionen am Standort.
Stichworte zum Projekt
- Verhandlungen über ein Zielbild und Zukunftsszenario des Unternehmens verliefen mehrere Jahre ohne Erfolg.
- Gremium erhöhte den Druck auf den Arbeitgeber, u.a. durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Maßnahmen.
- Einigung auf ein Zielbild, das Beschäftigungssicherung und Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Juni 2028 enthält.
Motiv
Bereits im Jahr 2020 hatte die IGM einen Tarifvertrag Transformation verhandelt. Das Ziel: das Unternehmen „wettertauglich“ machen für die massiven Veränderungen durch die elektrische und digitale Transformation. Ein wesentlicher Punkt war die Erarbeitung eines Zielbildes bis Ende 2022. Darin sollte ein Zukunftsszenario für die kommenden 5 Jahre enthalten sein.
Vorgehen
Bereits 2020 fanden vereinzelt erste Gespräche mit dem Arbeitgeber statt. Nachdem dieser, trotz Betriebsrat-Forderungen, seinen Verpflichtungen zur gemeinsamen Zielbilderarbeitung nicht nachkam, erhöhte das Gremium den Druck. Das Zielbild war fortan das dominierende Thema auf den Betriebsversammlungen. Die folgenden Diskussionen und Verhandlungen mit dem AG liefen jedoch weiter sehr schleppend. Die Nachwirkungen der Pandemie und die volatilen Lieferketten dominierten das Tagesgeschäft, während die Transformation weiter voranschritt. Der AG schien aus Sicht des Gremiums überfordert mit diesen Herausforderungen, was sich in zähen Zielbildverhandlungen widerspiegelte. Im Oktober 2022 kam es zur „Alarmstufe rot“, denn der Tarifvertrag befand sich kurz vor seinem Auslaufen und von einem belastbaren Zielbild waren beide Seiten noch weit entfernt. Das Gremium bildete eine Task Force, um das Scheitern der Zielbildverhandlungen abzuwenden. In einer kurzen, intensiven Arbeitsphase einigten sich beide Seiten bis Ende 2022 auf Grundlagen sowie auf eine Fortführung der Verhandlungen über den Tarifvertrag hinaus. Da sich im Anschluss daran jedoch von Arbeitgeberseite wenig tat, blieb die Task Force am Ball. Gleichzeitig wurde das Thema über alle Betriebsratskanäle thematisiert. Die schlechte finanzielle Lage der ZF verstärkte zusätzlich den Ruf nach einem Zielbild samt Beschäftigungssicherung. Trotz der Mobilisierung waren die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber weiterhin konträr und nicht zielführend. Erschwerend kam ein Wechsel im Personalvorstand hinzu. Um mehr Druck aufzubauen, bündelten das Gremium mit den IG Metall-Vertrauensleuten seine Kräfte und organisierte eine Postkartenaktion. Darin wurde die Forderung nach einer Beschäftigungssicherung bis 2028 und einem Zielbild für den Betrieb dokumentiert. Über 3.000 Postkarten wurden dem Arbeitgeber medienwirksam überreicht, die lokale sowie regionale Presse mit eingebunden. Schließlich erklärte der Betriebsrat die Verhandlungen als gescheitert. Um den Druck zu erhöhen, organisierte der Betriebsrat einen Marsch zur Konzernzentrale und eine Kundgebung mit anschließender Pressekonferenz. Schließlich wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen und zu einem Abschluss gebracht.
Ergebnisse
Die Parteien einigten sich auf:
• Beschäftigungssicherung mit Ausschluss Betriebsbedingte Kündigungen bis 30. Juni 2028
• Auflistung sämtlicher Kompetenzen, Produkte und Dienstleistungen am Standort
• Zusagen, welche Produkte und Dienstleistungen am Standort die nächsten fünf Jahre bleiben oder entwickeln werden
• Investitionen am Standort
• Regelungen, um Schwankungen beim Personalbedarf einfacher über interne Lösungen abzudecken.