Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2025
Betriebsrat & Schwerbehindertenvertretung der enercity AG, Hannover
► Projekt: Der erste DUOday Hannover: Pionierarbeit für gelebte Inklusion
„DUOday Hannover: Gemeinsam Barrieren abbauen und Inklusion durch echte Begegnungen erleben.“
Markus Kittler (SBV), Kevin Kielhorn (BR) (v.l.n.r.)
Daten und Stichworte zum Projekt
| Projekt: | Der erste DUOday Hannover: Pionierarbeit für gelebte Inklusion |
| Bewerber/in: | Betriebsrat & Schwerbehindertenvertretung der enercity AG, Hannover |
| Beschäftigtenzahl: | mehr als 1000 |
| Branche: | Energie |
| Gewerkschaften: | ver.di |
Kurzpräsentation
Das Gremium adaptierte das bestehende Konzept des DUOday auf die Region Hannover. Der DUOday ist ein inklusives Begegnungsprojekt, das Menschen mit Beeinträchtigungen und Arbeitgeber für einen Tag zusammenbringt. In den Unternehmen werden dazu sogenannte DUOs gebildet zwischen jeweils einem Menschen mit Beeinträchtigungen und einem Arbeitnehmer. Ziel ist es, direkte Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen, Potenziale sichtbar zu machen und Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen. Aufgrund der guten Resonanz soll der DUOday Hannover jährlich wiederholt werden.
Stichworte zum Projekt
- BR und SBV adaptierten das Konzept des DUOday auf die Region Hannover. Das inklusive Begegnungsprojekt bringt Menschen mit Beeinträchtigungen und Arbeitgeber für einen Tag zusammen.
- In den Unternehmen werden dazu sogenannte DUOs gebildet zwischen jeweils einem Menschen mit Beeinträchtigungen und einem Arbeitnehmer. Das Ziel: Einblicke ermöglichen und berufliche Potenziale sichtbar machen.
- Aufgrund der guten Resonanz soll der DUOday Hannover jährlich wiederholt werden.
Motiv
Trotz zahlreicher bestehender Maßnahmen zur Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen fehlte bislang ein konkretes, praxisnahes Format, das Menschen mit Beeinträchtigungen und Arbeitgeber niedrigschwellig zusammenbringt. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels bleiben damit die beruflichen Potenziale vieler Menschen mit Beeinträchtigungen oft ungenutzt, obwohl sie motiviert, qualifiziert und arbeitsbereit sind.
Vor diesem Hintergrund wurden die Schwerbehindertenvertretung (SBV) und der Betriebsrat (BR) aktiv – überzeugt von der Idee und Wirkungskraft des DUOday. Am DUOday erleben Menschen mit Beeinträchtigungen im Rahmen eines begleiteten Schnuppertages den Arbeitsalltag in einem Unternehmen oder einer Organisation. Gleichzeitig lernen Arbeitgeber die Fähigkeiten, Interessen und Persönlichkeiten potenzieller Mitarbeiter:innen kennen – unabhängig von deren Beeinträchtigung. Der DUOday findet sowohl international bereits in mehreren Ländern erfolgreich statt, z. B. in Irland, Belgien, Luxemburg und Frankreich als auch in mehreren deutschen Städten, z.B. Hamburg und Bremen.
Vorgehen
Zunächst wurde das Konzept des DUOday national und international recherchiert und an die Bedingungen vor Ort angepasst. Der DUOday sollte bewusst in kleinerem Rahmen starten, um gute Steuerbarkeit und persönliche Begleitung sicherzustellen. In einem nächsten Schritt wurden gezielt Schlüsselakteure aus dem Bereich Inklusion und Arbeit angesprochen, u. a. die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover, die sich frühzeitig bereit erklärten, ergänzend zu enercity, die Schirmherrschaft für das Projekt zu übernehmen. Dies verlieh dem Vorhaben sowohl politische als auch regionale Sichtbarkeit. Im Anschluss wurde ein Kreis von Unternehmen und Organisationen angesprochen, die bereits Erfahrungen mit Inklusion oder ein Interesse an sozialem Engagement zeigten. Parallel wurden Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) eingebunden, um interessierten Teilnehmer:innen für einen externen Schnuppertag zu gewinnen. Auch der Integrationsfachdienst (IFD) sowie die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) wurden frühzeitig involviert, um professionelle Unterstützung und Beratung sicherzustellen. Ein zentrales, digitales Auftakttreffen im Herbst 2024 diente dem Kennenlernen der Akteurinnen, dem Austausch über Rollen und Aufgaben und der gemeinsamen Festlegung der nächsten Schritte. Für alle Beteiligten wurden Informationsmaterialien, Ablaufpläne und Checklisten bereitgestellt. Die Interessenvertretung von enercity hat hierbei sowohl die Koordination als auch die regelmäßige Kommunikation sowie Begleitung übernommen.
Ergebnisse
Am 21. Mai 2025 wurde zum ersten Mal auch in Hannover und der Region Hannover der DUOday durchgeführt – mit deutlich größerer Beteiligung als geplant. Ursprünglich war vorgesehen, in einem kleinen Rahmen mit ca. 20 Tandems zu starten, daraus wurden gut 60. Zu den Mitgestaltern zählten sieben Unternehmen und drei Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Die starke Nachfrage zeigte, dass ein großer Bedarf an persönlichen Begegnungen, niedrigschwelligen Zugängen und echten Erfahrungen besteht – sowohl bei Unternehmen als auch bei Menschen mit Beeinträchtigungen. Bereits im Vorfeld wurden positive Effekte sichtbar: Unternehmen begannen, ihre eigenen Prozesse und Einstellungen kritisch zu hinterfragen. Werkstätten und Fachdienste stärkten ihre Vernetzung mit dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig entstanden erste Gespräche über mögliche Anschlussperspektiven über den DUOday hinaus – etwa Praktika, Hospitationen oder sogar sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Langfristig soll das Format verstetigt und jährlich wiederholt werden. Dabei ist es ein zentrales Ziel, weitere Werkstätten für behinderte Menschen zu gewinnen, um noch mehr interessierten Teilnehmer:innen eine DUO-Erfahrung zu ermöglichen – und gleichzeitig mehr Vielfalt und individuelle Passung in den Tandems herzustellen. Weitere Unternehmen und Branchen haben ihre Teilnahme für das nächsten Jahr avisiert.