7. Was ist Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und was ist die Rolle des Betriebsrats dabei?

Ist ein Arbeitnehmer innerhalb von 12 Monaten länger als 6 Wochen am Stück oder wiederholt arbeitsunfähig erkrankt, muss der Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Ziel des Verfahrens ist es, den Erkrankten wieder in kleinen Schritten ins Arbeitsleben einzubinden.

Wie läuft ein BEM-Verfahren ab?

Zentrale Vorschrift für das BEM ist § 84 Abs. 2 Sozialgesetzbuch (SGB IX) – also eine Regelung aus dem Neunten Sozialgesetzbuch, das eigentlich Schwerbehindertenrecht ist. Dennoch ist das BEM ein Verfahren für alle Beschäftigten - mit Schwerbehinderung hat es nichts zu tun.

Das BEM-Verfahren dient dazu, individuelle Lösungen zu erarbeiten, wie der erkrankte Mitarbeiter wieder arbeitsfähig wird und bleibt. Es handelt sich um eine Art Klärungs- und Suchprozess. Eine Maßnahme kann beispielsweise sein, dass der betroffene Mitarbeiter mit einer reduzierten Stundenzahl an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, die er dann sukzessive aufstockt (stufenweises Widereingliedern nach ärztlichem Plan).

Wie wichtig ist der Datenschutz?

Der Arbeitgeber erhält im Rahmen eines BEM wichtige und oft sensible Informationen über die Erkrankung des Mitarbeiters, die er früher erst in einem etwaigen Kündigungsschutzverfahren erhalten hätte. Ein wirksamer Datenschutz hat daher in jedem BEM-Verfahren eine enorme Bedeutung.

Personenbezogene Daten dürfen nur mit schriftlicher Einwilligung des Mitarbeiters weitergegeben werden. Keinesfalls dürfen die Erkenntnisse für andere Zwecke als für das BEM verwendet werden, z.B. um krankheitsbedingte Kündigungen vorzubereiten. Die erhobenen Daten sind in einer eigenen BEM-Akte aufzubewahren – räumlich getrennt von der Personalakte – und vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Welche Rolle spielt der Betriebsrat?

Beim BEM handelt es sich um ein individuelles Eingliederungsverfahren für den erkrankten Mitarbeiter. Dennoch nimmt der Betriebsrat nach § 84 Abs. 2 SGB IX am Verfahren teil, es sei denn der Arbeitnehmer lehnt das ab. Der Arbeitgeber muss der Interessenvertretung regelmäßig die Liste der vom BEM betroffenen Personen zugänglich machen.

Insgesamt muss der Arbeitgeber im Betrieb ein BEM-System mit klar strukturierten Abläufen entwickeln, das sowohl ein Frühwarnsystem als auch ein Maßnahmenpaket enthält. Wie diese Verfahrensregeln aussehen, berührt Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats. Er muss umfassend eingebunden und beteiligt werden (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 7 BetrVG).

In einem wichtigen Grundsatzurteil vom 22.03.2016 hat das BAG bestätigt, dass die Mitbestimmung des Betriebsrats sich keinesfalls auf Maßnahmen zur Durchführung des BEM beziehen darf. Die Rechte des Betriebsrats beschränken sich auf die Verfahrensregeln (BAG 23.03.2016 – 1 ABR 14/14).

 

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