Deutscher Betriebsrätepreis 2016

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Wie immer viele interessante Projekte

Wir freuen uns über 88 Bewerbungen, die uns nach dem Ablauf der Teilnahmefrist für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2016 vorliegen. Das bedeutet eine gleichbleibend hohe Beteiligung seit Beginn der Ausschreibung vor 8 Jahren.

Unter den Bewerbern finden sich betriebliche Interessenvertretungen aus allen Industrie- und Dienstleistungsbranchen. Vertreten sind Betriebsräte aus kleinen, mittelständischen und DAX-notierten Unternehmen. Vom Ein-Personen-Gremium bis zum Konzernbetriebsrat reicht das Spektrum der Teilnehmer.

Die Preisträger 2016

  • Standortsicherungsvertrag

    Motiv: Beim Chemie-Riesen BASF gibt es eine lange Tradition der engen Zusammenarbeit zwischen den betrieblichen Sozialpartnern. Ein wesentliches Element sind umfassende Standortvereinbarungen über die personellen und sozialen Regelungen sowie zur wirtschaftlichen Zukunft des weltweit tätigen Unternehmens. Bevor die Standortvereinbarung 2010-2015 auslief, setze der Betriebsrat die rechtzeitige Verhandlung von Standortsicherungsmaßnahmen für alle Beschäftigten auf seine Agenda.

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  • Das Internationale Rahmenabkommen / International Framework Agreement und sein Meldesystem zur Mitbestimmung

    Motiv: „Zuhören. Mitbestimmen. Gemeinsam“, so lautet der Leitspruch des Konzernbetriebsrats der thyssenkrupp AG. Da es bei thyssenkrupp keinen Weltbetriebsrat gibt, wurde der KBR aktiv, um auch über die Grenzen der Mitbestimmung hinaus Menschen- und Arbeitsrechte für alle Beschäftigten bei thyssenkrupp zu sichern und die Möglichkeit zu bieten, Verstöße gegen den Arbeitnehmerschutz zu melden. Zwar bestand vor dem Abschluss des Internationalen Rahmenabkommens beispielsweise schon ein Code of Conduct, dieser war aber für den KBR nicht ausreichend und bot auch keinen Handlungsspielraum für die Mitbestimmung.

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  • Zukunft.Zeit.Zusammenarbeit

    Motiv: Fachkräftemangel und demographischer Wandel beschäftigen auch den Nürnberger Energieversorger N-Energie. Wie lassen sich nachhaltig Personalplanung und Sicherung des Personalbedarfs beispielsweise durch neuartige Arbeitszeitmodelle sichern? Welche Auswirkungen hat der Wandel auf die Anzahl der Ausbildungsplätze und wie können auch zukünftig qualifizierte Fachkräfte an das Unternehmen gebunden werden? Die Ausgangssituation bei N-ERGIE, das rund 2.600 Mitarbeiter beschäftigt: Vom Jahr 2018 bis 2030 werden ca. 1.000 Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Bis 2018 sind allerdings kaum vakante Stellen zu besetzen, gleichzeitig verschärft sich der Kampf um junge Fachkräfte.

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  • Mindeststandards bei Konzentration Buchhaltung Europa

    Motiv: Im Oktober 2013 wurde der EBR der DB AG darüber informiert, dass die Deutsche Bahn plane, die Buchhaltungen zu zentralisieren. Eine Zentralisierung für Deutschland solle am Standort Berlin erfolgen. Hingegen sollten die Buchhaltungsaktivitäten für ganz Europa an einem – damals noch nicht konkret benannten – Ort in Mittel- oder Osteuropa konzentriert werden. Damit war abzusehen, dass es bei diesem Projekt nicht nur um Synergieeffekte einer zentralen Buchhaltung ging, sondern auch um die im Vergleich mit Deutschland sehr niedrigen Lohnkosten. Es stand zu befürchten, dass ca. 1.000 Mitarbeiter aus den europäischen Buchhaltungen ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Angebot an diese, mit an den neuen Standort zu wechseln, war natürlich unrealistisch und für die Kolleginnen und Kollegen ein Schlag ins Gesicht.

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  • Erhalt Klinikum Esslingen in kommunaler Trägerschaft = kein Verkauf

    Motiv: Das Klinikum Esslingen ist ein Haus der Zentralversorgung mit rund 1.650 Beschäftigten. Das Klinikum ist seit über 150 Jahren städtisch/kommunal und wird als 100%ige Tochter der Stadt Esslingen als gGmbH geführt. Es gilt der Flächentarifvertrag TVöD. Wegen defizitärer Jahresabschlüsse und Verschuldung wollte die Stadt einen privaten Partner suchen. Die Klinik sollte verkauft oder teilverkauft werden. Die Stadt selbst wollte ihr Klinikum zunächst nicht finanziell unterstützen und es wurden diverse Verkaufsoptionen geprüft. Der Betriebsrat des Klinikums wurde aktiv, weil durch den Verkauf an einen Konzern der Ausstieg aus dem TVöD drohte. Befürchtet wurden außerdem ein Verlust der Zentralversorgung, die Ausgliederung patientenferner Dienstleistungsbereiche in eine billige Servicegesellschaft und damit verbunden ein signifikanter Arbeitsplatzabbau.

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  • Gesamtbetriebsvereinbarungen "Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung" und "Psychische Gesundheit"

    Motiv: Der Gesamtbetriebsrat der Robert Bosch GmbH hatte bereits seit 2001 das Thema "Psychische Gesundheit" auf seiner Agenda platziert. Denn zunehmend klagten die Beschäftigten aus Produktion, Verwaltung, Entwicklung und Forschung über psychisch krankmachende Belastungen. Die Veränderung im Arbeitsschutzgesetz zum 1. Januar 2014 bot dann endlich die Möglichkeit, eine Gesamtbetriebsvereinbarung (GBV) "Psychische Gesundheit" mit Nachdruck einzufordern.

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  • GBR 2020 - Intelligente Nachfolgeplanung

    Motiv: Der demografische Wandel macht auch vor dem Betriebsrat-Büro keinen Halt. Im Rahmen der Umsetzung des Demografietarifvertrags der IGBCE wurde auch die Situation im Gesamtbetriebsrat analysiert. Dabei stellten die Interessenvertreter fest, dass mehr als die Hälfte der Mitglieder nach 2018 nicht mehr dabei sein werden. Insbesondere waren davon die Vorsitzende, der Gesamtbetriebsratsausschuss und die AR-Mitglieder betroffen. Daraus wurde ein akuter Handlungsbedarf abgeleitet, um auch nach 2018 ein starkes Gremium zur Interessenvertretung am Start zu haben.

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Die weiteren Nominierten 2016

Die Jury hat entschieden: Von den 88 eingereichten interessanten Projekten, die durchweg ein großes Engagement der Betriebsräte beweisen, wurden 14 Projekte nominiert.

Das Themenspektrum der nominierten Projekte reicht von Initiativen zur Standortsicherung über flexiblere Arbeitszeitregelungen, Verbesserungen im Bereich "Gute Arbeit" bis zu Abschaffung von Leiharbeit und Erweiterung des Gesundheitsmanagementangebotes.

Neben den drei Hauptpreisen werden dieses Jahr vier Sonderpreise in den Kategorien "Europa mitbestimmen", "Beschäftigungssicherung", "Gute Arbeit" und "Innovative Betriebsratsarbeit" vergeben.

Hier die weitern Nominierten für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2016 in alphabetischer Reihenfolge.

  • Beteiligungskampagne mobiles Arbeiten

    Motiv: Die Daimler AG beschäftigt in Deutschland rund 160.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und produktionsnahen Bereichen, davon arbeiten derzeit mehr als 26.000 zeit- und ortsunabhängig mit Tablet, Notebook oder Smartphone. Eine alte Gesamtbetriebsvereinbarung regelte weder Erfassung noch Vergütung der Arbeitszeit im mobilen Jobeinsatz, daher arbeiteten die Beschäftigten häufig unentgeltlich oder in rechtlichen Grauzonen. Mit einer neuen Gesamtbetriebsvereinbarung wollte der Gesamtbetriebsrat erreichen, dass die Daimler-Mitarbeiter in Zukunft selbst und noch flexibler über Arbeitszeit und -ort bestimmen - im legalen Rahmen, geschützt und bezahlt. Durch eine Beteiligungskampagne gab der Gesamtbetriebsrat den Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, sich direkt an der Entwicklung einer neuen Gesamtbetriebsvereinbarung zu beteiligen, und hat darüber hinaus eine „Blaupause“ für künftiges betriebspolitisches Handeln entworfen.

  • Zukunftsperspektive des Kundenservice in der DTKS

    Motiv: Seit 2007, das Jahr, in dem der Betriebsübergang des Kundenservice erfolgte, war eine jährliche Senkung der Beschäftigtenzahl bei der Deutschen Telekom Kundenservice GmbH (DTKS) im vierstelligen Bereich zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg der Anteil von Outsourcing-Maßnahmen. Dieser Trend konnte ab 2011 mit einem gemeinsamen Eckpunktepapier der Sozialpartner gestoppt werden. Allerdings zeigte sich, dass durch Automatisierung, kontinuierliche Effizienz- u. Rationalisierungsmaßnahmen etc. der Handlungsbedarf für die Arbeiternehmervertretung weiter stieg. Das Gremium entwickelte daher nachhaltige Perspektiven für die Beschäftigten im Telekom Kundenservice.

  • Arbeit ist gestaltbar! Der rote Faden des Gesundheitsschutzes bei LmBH

    Motiv: Die LmBH erbringt Assistenz- und Beratungsleistungen für Menschen mit Behinderung. Vor dem Hintergrund einer vom Arbeitgeber geplanten umfassenden Umstrukturierung des Betriebes mit weitreichenden Konsequenzen für die Arbeitnehmer, stellte der Betriebsrat das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz in das Zentrum seiner Aktivitäten.

  • Beschäftigungs- und Standortsicherung in Deutschland

    Motiv: Hoher Kostendrucks und harter Wettbewerb verschärfen seit langem die Situation für Automobilzulieferer am Standort Deutschland. Aus diesem Grund gab es bei Marquardt über zehn Jahre lang Haustarifverträge. Diese wurden an die jeweilige Personal- und Marktsituation angepasst. Zumeist brachten sich die Beschäftigen mit unbezahlter Mehrarbeit ein, teilweise auch mit einer verminderten Auszahlung von Urlaubs-und Weihnachtsgeld. Neue Verhandlungen im Jahr 2013 scheiterten aufgrund der mangelnden Unterstützung durch die IG Metall-Mitglieder im Betrieb. Der ausgearbeitete Vertrag fand keinen Anklang, es kam nicht zur Unterschrift. Zum Erhalt der Wettbewerbsfähig¬keit forcierte die Geschäftsführung dann die Verlagerungen von Produktlinien in die Auslandswerke sowie den Abbau von Ar¬beitsplätzen.

  • Bezahlte Pausen

    Motiv: Der Betriebsrat am Standort Düsseldorf stellte fest, dass der Arbeitgeber den Arbeitsdruck auf die Mitarbeiter des auf Sicherheitsdienstleistungen für Banken und Handel spezialisierten Unternehmens sukzessive erhöhte. Die hatte auch massive Auswirkungen auf die Möglichkeiten, notwendige und den Mitarbeitern zustehende Ruhepausen einzulegen. Bei den Interessenvertretern verstärkte sich der Eindruck, dass der Arbeitgeber hier sein Weisungsrecht missbrauchte. Der Betriebsrat setzte sich daher zum Ziel, klar definierte Pausenkorridore zu schaffen. Diese sollten für jeden Mitarbeiter verbindlich regeln, dass er zum gegebenen Zeitpunkt seine Arbeit niederlegen und beruhigt in Pause gehen kann. Darüber hinaus wollten die Betriebsräte die bis dato unklare Situation nutzen und bezahlte Pausenzeiten einführen..

  • Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Logistik

    Motiv: Im Zuge der Ausgliederung des Roche-Unternehmenszweiges Diabetes Care wurde entschieden, die operativen Logistikfunktionen für Diabetes Care an ein externes Logistikunternehmen zu geben. Dieses konnte die Leistungen – nicht zuletzt durch die Tarifunterschiede – deutlich günstiger anbieten als die interne Logistik. Neben der Kostenersparnis zielte der Arbeitgeber damit auf eine veränderte Ablauforganisation und eine Flexibilisierung des Personaleinsatzes. Die Sorge des Betriebsrats bestand darin, dass diese Entscheidung massive Auswirkungen auf die firmeninterne operative Logistik für Diagnostika hat, in der ca. 400 Beschäftigte arbeiten. Das Gremium setzte sich daher zum Ziel, proaktiv Vereinbarungen treffen, um die Logistik produktiver zu machen und damit im Roche-Konzern zu halten

  • Solvay Global Performance Sharing Program

    Motiv: Solvay, ein weltweit tätiges Chemieunternehmen mit rund 2.800 Mitarbeitern in Deutschland und europaweit 14.000 Angestellten, bietet AT-Angestellten seit längerem einen leistungsabhängigen Bonus. Für Tarifmitarbeiter gab es dagegen nur in Frankreich auf gesetzlicher Basis ein Beteiligungssystem. Der Betriebsrat setzte sich nun zum Ziel, eine Leistungsbeteiligung für weltweit alle Mitarbeiter einzuführen.