Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2022

Betriebsrat der Carl Zeiss SMT GmbH, Oberkochen

► Projekt:
Ramp Up nur mit langfristiger Sicherheit: Entfristungen und Beschäftigungssicherung bei der Carl Zeiss SMT

„Wir haben mit dieser Betriebsvereinbarung Produktivitätsgewinne & Wachstumsrisiken fair verteilen und über 5000 Arbeitsplätze bis ins neue Jahrzehnt absichern können.“

Gerhard Bösner, Betriebsratsvorsitzender (vorne, 3. v.re.)

 

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Ramp Up nur mit langfristiger Sicherheit: Entfristungen und Beschäftigungssicherung bei der Carl Zeiss SMT
Bewerber/in: Betriebsrat der Carl Zeiss SMT GmbH, Oberkochen
Beschäftigtenzahl: ca. 5000
Branche: Halbleiterindustrie
Gewerkschaften: IG Metall

 

Stichworte zum Projekt

  • Aufgrund starker Produktionsauslastung fordert der Arbeitgeber den Betriebsrat zu Verhandlungen über Wochenendarbeit auf
  • Gremium verbindet Verhandlungen mit dem Ziel der langfristigen Arbeitsplatzsicherung und Entfristung
  • Betriebsvereinbarung regelt Beschäftigungssicherung bis 2030 für ca. 5.000 Beschäftigte und Entfristung von mehr als 600 Stellen, außerdem werden Regelungen zur Qualifizierung und zum Gesundheitsschutz getroffen

Motiv

Der weltweite Chipmangel führt zu einem starken Wachstum in der Branche. Die Auftragsbücher sind voll, dies gilt für alle Bereiche und Produkte der ZEISS Sparte Semiconductor Manufacturing Technology (SMT). Das bedeutet gleichzeitig eine starke Auslastung für die Produktion und Entwicklung, um die Lieferungen und die Neuentwicklungen zu realisieren. Um die vorhandenen Kapazitäten maximal ausnützen zu können, forderte der Arbeitgeber im Juli 2021 den Betriebsrat zu Verhandlungen über eine neue Rahmenbetriebsvereinbarung auf, um auch am Wochenende Arbeit zu ermöglichen. Der Betriebsrat wollte diese Verhandlungen auch dazu nutzen, die Arbeit der Zukunft abzusichern und die marktbedingte Mehr- und Wochenendarbeit so belastungsfrei wie möglich zu gestalten. Das Wachstumsrisiko sollte dabei nicht zu Lasten der befristet eingestellten Mitarbeiter gehen und gleichzeitig auch nicht zu einer Gefährdung der bestehenden Arbeitsplätze führen, was in der Vergangenheit im zyklischen Umfeld der Halbleiterindustrie schon mehrfach erfolgt war.

Vorgehen

Vor dem Start der Verhandlungen definierte der Betriebsrat in einem Online-Workshop seine Positionen, entwickelte Ideen und erteilte auf dieser Grundlage dem Verhandlungsteam ein Mandat. Der Verhandlungsprozess erstreckte sich dann über insgesamt sieben Monate. In dieser Zeit traf sich das BR-Verhandlungsteam mehrmals wöchentlich und berichtete über die aktuellen Entwicklungen im Gesamtgremium.

Ergebnisse

  • Arbeitgeber und Betriebsrat vereinbaren einen Ausschluss des Ausspruchs von betriebsbedingten Beendigungskündigungen bis einschließlich 1. Januar 2030 für ca. 5000 Beschäftigte.
  • Der Arbeitgeber verpflichtet sich grundsätzlich, befristet angestellten Beschäftigten von ZEISS SMT am Standort Oberkochen, die seit mindestens 12 Monaten befristet angestellt waren, ein Angebot auf ein unbefristetes Anstellungsverhältnis zu unterbreiten. Damit wurden auf einmal 645 Beschäftigte vorzeitig entfristet.
  • Um die Belastungen der Wochenendarbeit zum Teil zu kompensieren werden in den einzelnen Modellen Zeitausgleiche geregelt. Zusätzlich werden die Angebote zum Gesundheitsschutz für Schicht-Beschäftigte innerhalb der SMT erweitert.

Im Rahmen des Wachstums der SMT werden sowohl individuelle Qualifizierungen für einzelne Beschäftigte, bereichsspezifische als auch zielgruppenspezifische Qualifizierungsmaßnahmen benötigt. Hierzu werden in den Bereichen anhand der bestehenden Qualifikationsstruktur und den zukünftigen, benötigten Qualifikationen die Bedarfe definiert und dann durch interne oder externe Qualifizierungsmaßnahmen umgesetzt. Dieses Bekenntnis des Arbeitgebers soll in eine zusätzliche Betriebsvereinbarung einfließen.