Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Gesamtbetriebsrat der Daimler Truck AG, Leinfelden-Echterdingen

► Projekt:
Vereinbarung zur Errichtung eines Europäischen Betriebsrates sowie eines Weltbetriebsrates

"Mit unserer neuen wegweisenden Vereinbarung haben wir als Europäischer- und Weltbetriebsrat ein starkes Gremium geschaffen, um uns weitweit zu vernetzen und Arbeitnehmerrechte bei Daimler Truck durchzusetzen."

Internationale Arbeitnehmervertreterinnen und – vertreter von Daimler Truck
haben einen Europäischen und Weltbetriebsrat gegründet.
Die Teilnehmer kamen aus Deutschland, Frankreich, Portugal, Großbritannien,
Niederlande, Türkei, Japan, Indien, Brasilien und Argentinien.

 

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Vereinbarung zur Errichtung eines Europäischen Betriebsrates sowie eines Weltbetriebsrates
Bewerber/in: Gesamtbetriebsrat der Daimler Truck AG, Leinfelden-Echterdingen
Beschäftigtenzahl: mehr als 1000
Branche: Automobil
Gewerkschaften: IG Metall

 

Kurzpräsentation

Nach der Trennung der Daimler AG in die Gesellschaften Mercedes-Benz AG sowie Daimler Truck AG war es notwendig, einen neuen europäischen Betriebsrat zu gründen. Darüber hinaus setzte sich der GBR das Ziel, eine Weltarbeitnehmervertretung zu institutionalisieren, für die es bislang keine festgeschriebenen Regelungen oder gar Rechte gibt. Gemeinsam mit IG Metall und der globalen Gewerkschaftsförderation IndustriALL wurde ein Vorschlag für eine Vereinbarung erarbeitet, welche die europäischen Rechte auf die weltweiten Kollegen überträgt. Schließlich wurde eine Vereinbarung zur Errichtung eines Europäischen Betriebsrats sowie eines Weltbetriebsrats getroffen.

Stichworte zum Projekt

  • Mit der Aufteilung der ehemaligen Daimler AG in die Gesellschaften Mercedes-Benz AG sowie Daimler Truck AG setzte sich der GBR des Nutzfahrzeug-Herstellers das Ziel, neue europäische und weltweite Mitbestimmungsstrukturen zu schaffen.
  • Das Gremium initiierte ein Projekt für einen Weltbetriebsrat und nahm dazu umfassende Verhandlungen mit dem Arbeitgeber auf.
  • Die neue Weltarbeitnehmervertretung ermöglicht die systematische Vernetzung und Beratung der weltweit verteilten Interessenvertretungen und damit die gezielte Einflussnahme auf Projekte und strategische Ausrichtung des Unternehmens.

Motiv

Mit der Aufteilung der ehemaligen Daimler AG in die Gesellschaften Mercedes-Benz AG sowie Daimler Truck AG war es notwendig, einen neuen europäischen Betriebsrat zu gründen. Außerdem setzte sich der Gesamtbetriebsrat der Daimler Truck AG das Ziel, eine Weltarbeitnehmervertretung zu gründen. Das Unternehmen produziert weltweit an ca. 40 Standorten mit über 100.000 Mitarbeitern. Während es mit dem Europäischen Betriebsräte-Gesetz (EBRG) bereits Regelung gibt, einen europäischen Betriebsrat mit entsprechenden Rechten auszustatten, fehlen für eine Weltarbeitnehmervertretung festgeschriebene Regelungen. Aus Sicht des Gremiums bestand hier Handlungsbedarf aufgrund von Projekten, die über die europäischen Grenzen hinausgehen und Auswirkungen auf Struktur, Personaldecke und strategische Ausrichtung haben. Daher sollten auch die außer-europäischen Länder mit entsprechenden Informations- und Beratungsrechten ausgestattet werden.


Vorgehen

Gemeinsam mit der IG Metall und IndustriALL wurde ein Vorschlag für eine Vereinbarung erarbeitet, welche die europäischen Rechte auf die weltweiten Kollegen überträgt. Innerhalb eines Jahres fanden regelmäßig zunächst interne Abstimmungstermine zu Formulierungen und Präsentationen von Zwischenständen im Rahmen der  Weltarbeiternehmervertretungssitzungen statt. Für die Verhandlungen mit dem Unternehmen wurde ein Verhandlungsgremium ins Leben gerufen, welches sich für diese Vereinbarung stark gemacht hat. Das gemeinsame Ziel war es, die weltweiten Kollegen einzubeziehen und mit allen notwendigen Rechten und auch Pflichten auszustatten, wie es auch das europäische Recht vorsieht. Der Arbeitgeberseite wurde der Vorschlag der Vereinbarung präsentiert und diskutiert, Textpassagen angepasst und das Wording verändert, bis sich beide Seiten mit den Regelungen einverstanden erklärten.
 

Ergebnisse

Das Projekt führte zu einer Vereinbarung zur Errichtung eines Europäischen Betriebsrats. Außerdem wurde im November 2022 eine Vereinbarung zur Schaffung eines weltweit agierenden Gremiums unterzeichnet. Diese hilft den Betriebsräten auch über die europäischen Grenzen hinaus, sich systematisch zu vernetzen und über alle Projekte mit grenzüberschreitendem Charakter informiert zu werden. Sie haben die Möglichkeit, sich zu beraten und bei Bedarf externe Sachverständige einzuschalten. Der Informationsfluss ist hierdurch systematisch gegeben und die Qualität der Betriebsratsarbeit kann aus Sicht der betrieblichen Interessenvertretung massiv gesteigert werden.