Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Betriebsrat der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, Aldersbach

► Projekt: Einführung einer neuen Betriebsvereinbarung „Arbeitszeit im Schichtbetrieb“

„Wir sorgen für ein angenehmes und planbares Arbeitsleben, weil uns die Gesundheit und die Freizeit unserer Kollegen/innen im Schichtbetrieb besonders wichtig ist.“

Betriebsrat der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, Aldersbach

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Einführung einer neuen Betriebsvereinbarung „Arbeitszeit im Schichtbetrieb“
Bewerber/in: Betriebsrat der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH, Aldersbach
Beschäftigtenzahl: mehr als 1000
Branche: Metall
Gewerkschaften: IG Metall

 

Kurzpräsentation

Das bisherige Schichtsystem zeigte aus Sicht des Betriebsrates gravierende Probleme: Überfüllte Arbeitszeitkonten führten zu dauerhafter Überlastung. Es gab kaum Mitspracherechte der Beschäftigten beim Stundenauf- und -abbau, das Ampelkonto wurde ausschließlich durch Vorgesetzte gesteuert. Der Betriebsarbeit erarbeitete und verhandelte eine neue Betriebsvereinbarung für Schichtmitarbeitende im 3-Schichtbetrieb mit belastungsreduzierten abweichenden Schichtmodellen und einem Wochenendschichtmodell. Dadurch werden Bedarfsspitzen abgedeckt und zudem die Selbstbestimmung der Beschäftigten gestärkt.

  • Das bisherige Schichtsystem zeigte aus Sicht des Betriebsrats gravierende Probleme, u.a. dauerhafte Überlastung, kaum Mitspracherechte der Beschäftigten, Steuerung des Ampelkontos ausschließlich durch Vorgesetzte.
  • Der Betriebsrat erarbeitete und verhandelte eine neue Betriebsvereinbarung für Schichtmitarbeitende mit belastungsreduzierten abweichenden Schichtmodellen und einem Wochenendschichtmodell.
  • Dadurch werden Bedarfsspitzen abgedeckt und zudem die Selbstbestimmung der Beschäftigten gestärkt.

Motiv

Das bisherige Schichtsystem zeigte aus Sicht des Betriebsrates gravierende Probleme: Überfüllte Arbeitszeitkonten führten zu dauerhafter Überlastung. Es gab kaum Mitspracherechte der Beschäftigten beim Stundenauf- und -Abbau, das Ampelkonto wurde ausschließlich durch Vorgesetzte gesteuert, mangelnde Planbarkeit war ein wichtiges Thema für die Beschäftigten. So gab die bestehende Betriebsvereinbarung dem Arbeitgeber die Möglichkeit, im 4-Wochen-Zeitraum zweimal zur Samstagsarbeit einzuteilen. Der Betriebsrat hatte hierbei lediglich ein passives Zustimmungsrecht. Zudem fehlte bei abweichenden Schichtmodellen ein strukturierter Beantragungsprozess. Wegen fehlender Tarifbindung gab es lediglich einzelvertragliche Arbeitsverträge mit Wochenarbeitszeiten zwischen 35 und 42 Stunden. Diese Ausgangslage führte zu ständigen Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber und zu unzufriedenen Mitarbeiter:innen.

Vorgehen

Ende 2022 griff der Betriebsrat das drängende Thema auf. Das Gremium genehmigte die anstehenden Schichtmodelle nur noch unter der Voraussetzung, dass der AG dem Gremium einen externen Sachverständigen bis zum Abschluss einer neuen Betriebsvereinbarung zur Verfügung stellt. Ebenso waren die Voraussetzungen zur Genehmigung, dass die Mitarbeiter außerhalb der Schichtmodelle samstags nur noch auf freiwilliger Basis arbeiten. Das Gremium wolle die entsprechende Verpflichtung abschaffen und setzte sich zudem zum Ziel, dass 50 Kolleg:innen von einem befristeten Arbeitsverhältnis in ein festes übernommen werden. Der Betriebsrat holte dazu einen externen Berater an Bord und schloss eine Übergangsvereinbarung, die zusicherte, dass entsprechende Verhandlungen stattfinden. Es wurde eine BR-Arbeitsgruppe gegründet und die Schichtmodelle immer nur wenige Monate genehmigt, um den Druck auf die Verhandlungen hochzuhalten. In der Übergangsvereinbarung wurde die Übernahme der 50 Kolleg:innen verankert. Mit Hilfe des Beraters wurde eine neue Vereinbarung erarbeitet, dabei unterstützen ebenso die IG Metall und ein Rechtsanwalt des DGB. Das Gremien bezog die Mitarbeiter eng ein, führte Befragungen und ein Pilotprojekt mit einem Vollkontinuierlichen Schichtsystems (Vollkonti) mit 5 Schichtmannschaften und 33,6 Stunden Arbeitszeit, einem Ausgleich auf 38 Stunden und 40% Nachtschichtzulage durch. Nach einer erneuten Umfrage in der Belegschaft, erfolgt nun die schrittweise Umsetzung des neuen 5-Schicht-Modells. Nach mehrmaliger Einbeziehung der Einigungsstelle, angerufen durch den Arbeitgeber, einigten sich beide Seiten auf den Abschluss einer Betriebsvereinbarung.

Ergebnisse

Die neue Betriebsvereinbarung, mit Laufzeit ab 1.8.2024, enthält eine Vielzahl von Verbesserungen für die Beschäftigten, u.a.:

  • gleichbleibender Schichtrhythmus, auch nach der 4-Wochenfrist, gleichzeitig keine verpflichtende Samstagsarbeit mehr im 4-Wochenzeitraum, ohne dass der Betriebsrat dies genehmigt
  • Einführung eines 5-Schicht-Modells mit 33,6 Wochenstunden Arbeitszeit und Ausgleich auf 38 Stunden, anstelle von 4 Schichten und 42 Wochenstunden Arbeitszeit
  • Einführung eines Schichtmodells mit 17 Schichten und 4 Schichtmannschaften
  • Regelungen für Mitarbeiter aller Verträge über Einarbeitungstage
  • In Modellen kann alternativ die Arbeitszeit abgesenkt werden während der Laufzeit der Modelle
  • Tausch von Freischichten untereinander, bei gleicher Qualifikation