Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Betriebsrätenetzwerk Chemiestandort Stade

► Projekt:
Vom Stader Luftschloss zur Standort-Allianz: Innovative Auslegung des §92a BetrVG

„Kritiker taten unser Projekt als Luftschloss ab. Jetzt ist es die Basis zur Sicherung des gesamten Chemie-Standortes“

Kim Fleischmann, IGBCE/ Christian Deppe, DOW/ Bernd Guse, Trinseo/
Oliver Elsen, AOS/ Jonas von Holt, Olin/ Ingo Döring, IFF (v.li.n.re.)

 

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Vom Stader Luftschloss zur Standort-Allianz: Innovative Auslegung des § 92a BetrVG
Bewerber/in: Betriebsrätenetzwerk Chemiestandort Stade
Beschäftigtenzahl: mehr als 1000
Branche: Chemie
Gewerkschaft: IGBCE

 

Kurzpräsentation

Um den Chemiestandort Stade mit seinen 2.800 Mitarbeitern vor einer weiteren Schwächung und entsprechenden Auswirkungen auch auf rund 10.000 vor- und nachgelagerte Arbeitsplätze sowie Versorgungsketten zu bewahren, haben die Betriebsratsvorsitzenden von fünf maßgeblichen Unternehmen im Jahr 2022 ein Netzwerk gegründet. Auf der Basis des § 92a BetrVG haben sie ein gemeinsames innovatives Konzept zur Standortsicherung entwickelt und propagiert. Dazu führten sie alle betrieblichen Entscheidungsträger sowie Landes- und Lokalpolitik sowie weitere Akteure aus Verwaltung und der IGBCE in einer Allianz zusammen.

Stichworte zum Projekt

  • Um den Chemiestandort Stade vor einer weiteren Schwächung und entsprechenden Auswirkungen auch auf vor- und nachgelagerte Arbeitsplätze zu bewahren, gründeten die Betriebsratsvorsitzenden von fünf maßgeblichen Unternehmen ein Netzwerk.
  • Auf der Basis des § 92a BetrVG haben sie ein gemeinsames innovatives Konzept zur Standortsicherung entwickelt und propagiert.
  • Dazu führten sie alle betrieblichen Entscheidungsträger sowie Landes- und Lokalpolitik sowie weitere Akteure aus Verwaltung und der IGBCE in einer Allianz zusammen.

Motiv

Seit 1973 werden in Stade chemische Grundstoffe für Europa und die ganze Welt produziert. Doch seit 2010 beginnt das einstige Erfolgsmodell zu bröckeln. Durch wirtschaftlichen Druck und auch aufgrund veränderter internationaler Rahmenbedingungen wurden nach und nach Produktionsanlagen verkauft oder für immer stillgelegt. Waren bis zum Jahr 2010 nur zwei große Firmen am Chemiepark Dow und AOS beteiligt, sind es heute fünf. Die gegenseitigen Abhängigkeiten sind immens, denn die verschiedenen Betriebe sind durch Produkt- und Energieströme stark aufeinander angewiesen. Hinzu kommen massive Verschärfungen durch die Energiekrise, die notwendige Transformation sowie weitere Herausforderungen durch Politik und Verwaltung. Was fehlte, war bislang eine gemeinsame Grundlage als auch die Intention zum gemeinsamen Handeln.

Vorgehen

Um den Chemiestandort Stade mit seinen 2.800 Mitarbeitern vor einer weiteren Schwächung und entsprechenden Auswirkungen auch auf rund 10.000 vor- und nachgelagerte Arbeitsplätze sowie Versorgungsketten zu bewahren, gründete die Betriebsratsvorsitzenden von fünf maßgeblichen Unternehmen im Jahr 2022 ein Netzwerk.
Es handelt sich um
• Dow Deutschland Anlagengesellschaft mbH Werk Stade,
• Aluminium Oxid Stade GmbH (AOS),
• Olin Germany Upstream GmbH & Co. KG,
• Trinseo Deutschland Anlagengesellschaft mbH und
• IFF N & H Germany GmbH & Co. KG.
Auf der Basis des § 92a BetrVG haben sie ein gemeinsames innovatives Konzept zur Standortsicherung entwickelt und propagiert. Das gemeinsam erarbeitete Ziel war es, zum ersten Mal möglichst alle Entscheidungsträger des Standortes sowie Landes- und Lokalpolitik an einen Tisch zu bringen, um die Basis dafür zu schaffen, gemeinsam Projekte umzusetzen, die den Standort und seine Arbeitsplätze in Zeiten von Transformation und multiplen Krisen vor der weiteren Schwächung bewahren und vielmehr zu seiner Stärkung beitragen. Dazu wurden im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit Entscheidungsträgern sowohl der hiesigen Unternehmen als auch der Politik und der Verwaltung geführt.

Ergebnisse

Es wurde ein Plenum geschaffen, das sowohl Geschäftsführungen und Betriebsräte von fünf Unternehmen, die Gewerkschaft, verschiedene politische Ebenen auf Landes- und kommunaler Ebene, den Arbeitgeberverband sowie die Industrie- und Handelskammer an einen Tisch brachte, um gemeinsam an den größten Herausforderungen des Chemiestandorts Stade zu arbeiten. Die Initiatoren entwickelten fünf Kernthemen, für die sie sich engagieren und Mitstreiter im Sinne einer übergreifenden Allianz finden wollen:
• Kooperation in einer gemeinsamen Energie- und Wasserstoffstrategie,
• Sicherung der Ausbildung neuer Fachkräfte,
• Beschäftigungssicherung für bestehende Mitarbeiter,
• Ausbau der Investitionen in Zukunftstechnologien und
• Schaffung einer gemeinsamen Stelle, die u. a. bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel hilft

Das Projekt erhielt eine eigene organisatorische Stelle und eine öffentliche Förderung in Höhe von 315.000 € für die ersten drei Jahre. Während zuvor die verschiedenen Betriebe, die Politik und die Gewerkschaft in Zukunftsfragen aneinander vorbeiarbeiteten, werden nun gemeinsam die Fragen der Zukunft angegangen.