Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Konzernbetriebsrat der Provinzial Holding AG, Münster

► Projekt: Eine „Verkehrsordnung“ für Künstliche Intelligenz; ein Regulativ und Wegweiser für die KI-Gestaltung im Provinzial-Konzern

„KI-Regulativ: Aktive Einflussnahme verbessert die Chancen unserer Beschäftigten; unser Motto: „Raus aus dem Staunen, rein ins Gestalten“

Konzernbetriebsrat der Provinzial Holding AG, Münster

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Eine „Verkehrsordnung“ für Künstliche Intelligenz; ein Regulativ und Wegweiser für die KI-Gestaltung im Provinzial-Konzern
Bewerber/in: Konzernbetriebsrat der Provinzial Holding AG, Münster
Beschäftigtenzahl: mehr als 1000
Branche: Versicherungen
Gewerkschaften: ver.di

 

Kurzpräsentation

Der Konzernbetriebsrat vereinbarte mit dem Vorstand Leitplanken für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Unternehmen. Diese „Verkehrsordnung“ soll einen arbeitnehmerorientierten, verantwortungsbewussten, innovativen und nachhaltigen Einsatz von KI im Provinzial-Konzern regeln. Dazu wurde in Form einer Regelungsabrede ein gemeinsames Selbstverständnis für die Gestaltung von KI-Einführungen definiert und aufbauend darauf Prinzipien für den Einsatz von KI im Unternehmen verabredet und verankert.

Stichworte zum Projekt

  • Der Konzernbetriebsrat beschäftigte sich intensiv mit der Einführung und dem Einsatz von KI im Unternehmen.
  • Gemeinsam mit externer Beratung und Arbeitgeberseite entwickelte er ein Ordnungsmodell, das u.a. die Anwendung von Chat GPT regelt.
  • Diese „Verkehrsordnung“ schafft die Voraussetzungen für einen arbeitnehmerorientierten, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Einsatz von KI.

Motiv

„Raus aus dem Staunen, rein ins Gestalten.“ Mit dieser Intention beschäftigte sich der Konzernbetriebsrat mit der Einführung von KI-Systemen im Unternehmen. Mehr als 1000 Beschäftigte hatten zu Beginn des Projektes einen unzureichend regulierten Zugang zu Chat GPT. Es existierten zwar bereits verschiedene Verabredungen, die Beschäftigte vor maschinellen Leistungs- und Verhaltenskontrollen zu schützen. Aber es fehlte z.B. an einem Qualitätsmodell, das für Beschäftigte und Entscheidungsträger:innen erläuterte, was gute und vertrauenswürdige KI ausmacht. Aus Sicht des Gremiums bestand Bedarf, das betriebliche Handeln auf den Schutz aller Persönlichkeitsrechte der Europäischen Grundrechtscharta auszurichten, zu antizipieren, was mit der Europäischen KI-Verordnung Rechtskraft entfalten wird, betrieblichen Wildwuchs zu verhindern und ein Gestaltungs- und Qualitätsmodell für KI zu entwickeln, das für den Laien verständlich und für Expertinnen und Experten handlungsleitend wird. Der Konzernbetriebsrat wollte sich selbst über die Implikationen, die mit der KI-Entwicklung zusammenhängen, informieren lassen und darauf aufbauend einen Dialog mit dem Management der Provinzial aufnehmen. Ziel des KBR war dabei, die Provinzial zu übergreifenden Selbstverpflichtungen hinsichtlich der Gestaltung von Künstlicher Intelligenz zu bewegen und eine Rahmenverabredung zu treffen, die der Vielfalt der damit verbundenen Anforderungen und der Dynamik der Entwicklung gerecht wird. „Eine Verkehrsordnung“ für die zu erwartenden KI-Einführungsprozesse sollte entwickelt werden.

Vorgehen

Der Konzernbetriebsrat ließ sich in einer Sondersitzung unter Beteiligung der Arbeitgeberseite über die Eigenarten, Definitionen, Potenziale von KI für die Branche informieren und existierende und zu erwartende regulative Bedingungen erläutern. In Kenntnis bereits existierender Gestaltungsanforderungen von Arbeitnehmervertretungen wurde ein eigenes Gestaltungskonzept entwickelt. Dazu griffen die Beteiligten das im „Praxishandbuch Künstliche Intelligenz“ von Schröder/Höfers empfohlene Gestaltungsmodell „KI-Lagom“ auf. Sie modifizierten und entwickelten daraus gemeinsam mit externer Beratung und mit Arbeitgebervertretern im Dialog ein Ordnungsmodell für die Provinzial. In einem ersten Schritt verabredeten die Betriebsparteien ein „vorläufiges Regulativ“, dass sich der Anwendung von Chat GPT in der Provinzial annahm und regulative Bedingungen dazu beschrieb. Ein Modelltest wurde durchgeführt. Eine Befragung der Beschäftigten, die an dem Modelltest teilnahmen, schloss sich an. Gemeinsam mit den Verantwortlichen im Management erfolgte eine Auswertung. Eine Verhandlungsgruppe entwickelte dann auf dieser Grundlage ein Regulativ für alle KI-Anwendungen.

Ergebnisse

Die „Verkehrsordnung“ für KI wurde vom Konzernbetriebsrat und dem Vorstand der Provinzial bereits vereinbart. Mit dieser Verabredung hat das Gremium Leitplanken für einen arbeitnehmerorientierten, verantwortungsbewussten, innovativen und nachhaltigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz geschaffen. Das Regulativ bringt in Form einer Regelungsabrede ein gemeinsames Selbstverständnis für die Gestaltung von KI-Einführungen zum Ausdruck. Stichworte dafür sind: Verantwortungsbewusstes, gemeinsames Handeln, Leitlinien, die sich von der vorhandenen Unternehmenskultur ableiten, möglicher Verunsicherung entgegenwirken, Vertrauen schaffen, Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten zum Ausdruck bringen, eine Schrittmacherrolle übernehmen, Nachhaltigkeit berücksichtigen und Zukunftsperspektiven eröffnen.