Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Betriebsrat der GlaxoSmithKline Biologicals, Dresden

► Projekt: Stellenerhalt durch Solidarität

„Geht nicht, gibt`s nicht! - Dranbleiben, Anpacken, Durchbeißen! - WIR halten zusammen!“

Peter Mißbach, Janine Mülverstedt und Eric Jacob (v. li.n.re.)
Betriebsrat GlaxoSmithKline Biologicals, Dresden

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Stellenerhalt durch Solidarität
Bewerber/in: Betriebsrat GlaxoSmithKline Biologicals, Dresden
Beschäftigtenzahl: 501 bis 1000
Branche: Pharmazie
Gewerkschaften: IGBCE

 

Kurzpräsentation

Durch einen signifikanten Einbruch auf dem Impfstoffmarkt für 2023/2024 kam es zu massiven Auftragseinbrüchen am Standort Dresden. Das Unternehmen wollte darauf vorrangig mit einem Personalabbau reagieren, was für den Betriebsrat aber keine Option darstellte. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte das Gremium gemeinsam mit dem Arbeitgeber Vorschläge für eine Arbeitszeitreduktion am Standort für 12 Monate und damit deutliche Kostensenkungen. Dies ermöglichte, dass Kündigungen verhindert wurden und alle Mitarbeitenden weiterbeschäftigt werden können.

Stichworte zum Projekt

  • Durch einen signifikanten Einbruch auf dem Impfstoffmarkt kam es zu massiven Auftragseinbrüchen am Standort Dresden.
  • Das Unternehmen wollte darauf vorrangig mit einem Personalabbau reagieren, was für den Betriebsrat aber keine Option darstellte.
  • Innerhalb kürzester Zeit entwickelte das Gremium gemeinsam mit dem Arbeitgeber Vorschläge für eine Arbeitszeitreduktion für zwölf Monate und erzielte damit deutliche Kostensenkungen. Dies ermöglichte, dass betriebsbedingte Kündigungen verhindert wurden und alle Mitarbeitenden weiterbeschäftigt werden können.

Motiv

Im Jahr 2023 war ein weltweiter Rückgang der Impfbereitschaft zu verzeichnen, der sich auch auf das Folgejahr auswirkte. Dies hatte einen signifikanten Einbruch auf dem Impfstoffmarkt zur Folge, mit unmittelbaren Auswirkungen auch auf das in Dresden ansässige Unternehmen. Die Produktionsaufträge gingen binnen kürzester Zeit um mehr als 50% zurück. Die Zukunft der Mitarbeiter:innen und des Standortes waren massiv bedroht. Um dem Ziel des Betriebsrates „Arbeitsplatz- und Standorterhalt“ gerecht zu werden, hat sich das Gremium eine verträgliche Lösung ohne Personalabbau zum Ziel gesetzt.

Vorgehen

Gemeinsam mit dem Arbeitgeber wurde das Projekt „STEP“ ins Leben gerufen. Ziel war es, unverzüglich die Standortkosten zu senken, um die Standortsicherheit in einem großen, globalen Umfeld zu gewährleisten und eine Lösung für die Unterbeschäftigung der rund 800 Mitarbeiter:innen zu schaffen. Mit der Geschäftsleitung wurden verschiedene Möglichkeit evaluiert, z.B. betriebsbedingte Kündigungen, Arbeitszeitreduktion, Kurzarbeit oder unbezahlte Freistellungen. Für den Betriebsrat waren betriebsbedingte Kündigungen oder unbezahlte Freistellungen von Beginn an keine Option. Für die produzierenden Abteilungen wurden dann verschiedene Arbeitszeitanalysen erstellt. Es wurde ermittelt, dass die wöchentliche Arbeitszeit um 3,5 Stunden abgesenkt werden kann. Die verbliebenen Aufträge können dennoch fristgerecht abgearbeitet werden, ohne die Mitarbeiter:innen zu überlasten oder zu entlassen. Dafür wurden verschiedene Arbeitszeitmodelle gemeinsam von den Abteilungen und dem Betriebsrat entwickelt. Dadurch entstanden Modelle, bei denen kontinuierlich die tägliche Arbeitszeit gesenkt wurde oder mit einem Stundenaufbau einhergehen, um damit verknüpft eine 4-Tage-Woche oder eine längere Freistellung am Stück zu realisieren. Alle Modelle sind an die jeweiligen Produktionsbedingungen angepasst und schaffen trotz entgeltwirksamer Reduzierung die bestmögliche Lösung in Form von Freizeit für die Mitarbeiter:innen (täglich eher Feierabend, längere Abwesenheit am Stück oder regelmäßig verlängerte Wochenenden). Parallel zu diesen Verhandlungsterminen fanden zahlreiche interne Betriebsrats-Verhandlungsgruppentermine und BR-Sitzungen statt. Dem Betriebsrat war es besonders wichtig, mit gutem Beispiel gemeinsam mit der Geschäftsleitung für die Mitarbeiter:innen beim Thema Arbeitszeitreduktion voranzugehen. Umsetzungen für alle weiteren Bereiche werden bis zum Sommer 2024 folgen. Nach einer intensiven, aber zügigen Einigung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung konnten die notwendigen Vereinbarungen innerhalb weniger Tage getroffen werden.

Ergebnisse

Das Gremium konnte erreichen, dass eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit um 3,5 Stunden (entgeltwirksam) für zwölf Monate für den Standort Dresden umgesetzt wird. Dadurch können alle Mitarbeiter:innen am Standort Dresden weiterbeschäftigt und betriebsbedingte Kündigungen verhindert werden. Neben der wöchentlichen Arbeitszeitreduktion für die produzierenden Bereiche sowie aller BR- und Geschäftsleitungsmitglieder, konnten trotz entgeltwirksamer Anpassung die Auszahlung der Inflationsausgleichsprämie und des Urlaubsgeldes im vollen Umfang sichergestellt werden. Auch die Altersfreizeittage, welche ursprünglich durch die Arbeitszeitreduktion entfallen sollten, bleiben erhalten. Alle Punkte wurden in Betriebsvereinbarungen festgehalten. Seit 1. Januar 2024 sind knapp die Hälfte aller am Standort beschäftigten Mitarbeiter:innen in der Arbeitszeitreduktion und alle weiteren Bereiche werden bis spätestens zum 1. September 2024 folgen. Durch diese Reduktion konnte ein Großteil der erforderlichen Einsparung realisiert werden.