Nominiert für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2024

Betriebsrat der Huhtamaki Foodservice Germany GmbH & Co. KG, Alf

► Projekt: Transformation zur Nachhaltigkeit

„Wir hörten nur die Frage “Wie lange gibt es uns noch?“ Nun sind wir Vorreiter im Konzern und fit für die Zukunft!“

Betriebsrat der Huhtamaki Foodservice Germany GmbH & Co. KG, Alf

Daten und Stichworte zum Projekt

Projekt: Transformation zur Nachhaltigkeit
Bewerber/in: Betriebsrat der Huhtamaki Foodservice Germany GmbH & Co. KG, Alf
Beschäftigtenzahl: 201 bis 500
Branche: Verpackungshersteller (Kunststoff/ Papier)
Gewerkschaften: IGBCE

 

Kurzpräsentation

Um die Zukunftssicherheit des Standorts zu gewährleisten, hatte sich der Betriebsrat immer wieder dafür ausgesprochen, nachhaltige Lösungen für Lebensmittelverpackungen zu entwickeln und die Produktion vor Ort entsprechend anzupassen. Das Gremium lieferte dazu zahlreiche Ideen und Anregungen, die dann im Rahmen eines Investitionstarifvertrages zur Umsetzung kamen. Damit konnte der Betriebsrat zukunftsfähige Anpassungen in der Produktion unterstützen und somit wesentlich dazu beitragen, dass Standort und Arbeitsplätze gesichert werden.

Stichworte zum Projekt

  • Wirtschaftlicher und politischer Druck auf Einwegverpackungen aus Kunststoff gefährdeten die Zukunftsfähigkeit des Standortes.
  • Der Betriebsrat initiierte eine Anpassung der Produktion in Richtung Papierprodukte, um Arbeitsplätze zu sichern.
  • Durch den Einsatz des Gremiums wurden entscheidende Voraussetzungen für den Abschluss eines Tarifvertrag geschaffen, der umfangreiche Investitionen in den Standort, eine Sicherung der Tarifbindung und Garantie der Mitbestimmung umfasst.

Motiv

Am Standort Alf des Verpackungsherstellers werden seit 1967 Kunststoff-Verpackungen und hygienische Einwegartikel für den Lebensmittelkonsum produziert. Der zunehmende politische Druck auf Einwegverpackungen aus Kunststoff und die Notwendigkeit, zum Schutz der Umwelt nachhaltige Lösungen für Lebensmittelverpackungen zu finden, haben die Dringlichkeit erhöht, den Standort Alf transformationsfest aufzustellen. Um die Zukunftssicherheit des Standorts zu gewährleisten, sprach sich der Betriebsrat daher immer wieder dafür aus, die Materialvielfalt auch in Richtung Papierprodukte zu erweitern. Dabei handelt es sich u.a. um dichtschließende Deckel für Getränkebecher aus Papierfasern. Da der Konzern mit dieser Technologie an anderen Standorten bereits aktiv ist, gab es wenig Bereitschaft, auch in Alf in diese Produktionsart zu investieren. Ziel des Betriebsrats war es, durch eine Anpassung der Produktion, den Standort und die Arbeitsplätze im Sinne der Beschäftigten zu sichern und gleichzeitig einen Beitrag für die ökologische Transformation der Lebensmittelverpackungsindustrie zu leisten.


Vorgehen

Der Betriebsrat stellte von Beginn an klar, dass eine Umsetzung dieser Technologie in Alf nur unter dem Schutz der Mitbestimmung und des Flächentarifs der IG BCE erfolgen kann. Die Motivation und das Know-how der Kolleginnen und Kollegen waren dabei die wichtigsten Argumente, um auf einem Investitions-Tarifvertrag hinzuwirken, durch den ein erheblicher Millionenbetrag innerhalb eines vereinbarten Zeitfensters von 2020 bis 2025 in Alf investiert wird. Der Investitions-Tarifvertrag wurde durch eine aus IG BCE-Akteuren und Betriebsräten gebildete Tarifkommission und mit Unterstützung der TBS-Rheinland-Pfalz ausgehandelt.

 

Ergebnisse

In diesem Investitions-Tarifvertrag wurde vereinbart, dass die Transformation in der vorhandenen Unternehmensstruktur erfolgt. So wurde erreicht, dass die Mitbestimmung mit dem etablierten Betriebsrat gewährleistet und die Tarifsicherheit des am Standort geltenden Chemietarifs erhalten bleibt. Gedankenspiele, die neue Technologie in einer neuen Firma ohne Betriebsrat und Tarifbindung umzusetzen, wurden frühzeitig ausgeräumt. Anpassungen im Entgeltgefüge, die den Standort in der Branche der Verpackungsindustrie wettbewerbsfähig machen, waren die Zugeständnisse, zu denen die Beschäftigten bereit waren, um attraktive Arbeitsplätze mit immer noch guter Bezahlung in der durch Tourismus und Landwirtschaft geprägten Region zu erhalten und zu schaffen.


Der Investitions-Tarifvertrag gewährleistet:
• Investitionen in erheblicher Millionenhöhe bis 2025
• Schaffung von neuen Arbeitsplätzen
• Etablierung einer zukunftsfähigen Entwicklung und Produktion von innovativen und nachhaltigen Produkten
• Die Sicherheit der Tarifbindung mit den Regelungen des Flächentarifs Chemie der IG BCE
• Die Garantie der Mitbestimmung mit einem etablierten und erfahrenen Betriebsrat
• Die Zusage, die Verfügbarkeit von Fachkräften durch betriebliche Ausbildung zu fördern
• Die Wettbewerbsfähigkeit und damit die zusätzliche Sicherheit des Standortes durch Anpassungen im Entgeltgefüge
• Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen